Wichtige Meilensteine in der Geschichte der Zahnheilkunde – Teil 2

Zahnarzt Dr. med. den. Gerald Gaß aus der Eckhauspraxis Würzburg zu den wichtigsten Meilensteinen in der Geschichte der Zahnheilkunde.

Auch wenn sich Menschen wohl seit Anbeginn der Geschichte im Umgang mit erkrankten und schmerzenden Zähnen zu behelfen wussten, hat sich der medizinische Fachbereich der Zahnheilkund erst allmählich, und zwar in der Hauptsache in den vergangenen 200 Jahren, zu dem entwickelt, was er heute ist.

 

In Teil 1der Blogreihe „Wichtige Meilensteine in der Geschichte der Zahnheilkunde“ haben wir, das Team der Zahnarztpraxis Dr. med. dent. Gerald Gaß & Partner aus Würzburg, Sie bereits über die Entwicklung des Berufsbildes „Zahnarzt“ und die erstmalige Organisation der Zahnärzteschaft in Vereinen, den Vorläufern der heutigen „Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ unterrichtet. Ebenfalls behandelt haben wir die Einführung spezieller Zahnarztstühle und damit einhergehend die Veränderungen in der zahnärztlichen Behandlungstechnik. Im zweiten Teil der Blogreihe möchten wir Ihnen weitere bahnbrechende Entwicklungen und Meilensteine in der Geschichte der Zahnmedizin vorstellen.

 

Zahnärztliche Instrumente – Kariesprophylaxe – Zahncreme in Tuben – Schmerzausschaltung

 

Zahnärztliche Instrumente

 

Im Zuge einer Zahnextraktion, die in der Zahnarztpraxis im Eckhaus in Würzburg immer die letzte Option darstellt, kommen bis zum heutigen Tag unter anderem spezielle Zangen zum Einsatz. Die Erfindung der anatomisch geformten Extraktionszangen durch den britischen Zahnarzt John Tomes im Jahr 1841 ist als Meilenstein der Zahngeschichte anzusehen. Ebenso wie die Erfindung des Dentalbohrers, der ein überaus wichtiges Instrument bei der Behandlung von Karies und im Speziellen bei der Vorbereitung eines kariösen Zahns für seine Versorgung darstellt. Der erste Dentalbohrer war eine Tretbohrmaschine und ist eine Erfindung aus dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Diese im Jahr 1871 vom amerikanischen Zahnarzt James B. Morrison erfundene „Bohrmaschine“ war, mit Elektroantrieb versehen, bis in die 1960er Jahre im Einsatz. Der Nachfolger dieses frühen „Dentalbohrers“ war der sogenannte „Turbinenbohrer“, der 1957 erfunden wurde und bei höchster Drehzahl auf 300.000 bis 450.000 Umdrehungen pro Minute kam. Der moderne Dentalbohrer, den Sie eventuell aus der Eckhauspraxis kennen, ist übrigens eine Weiterentwicklung des in der Mitte des 20. Jahrhunderts erfundenen Turbinenbohrers.

 

Kariesprophylaxe

 

Fluorid härtet den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähig gegen Kariesbakterien. Nicht zuletzt aus diesem Grund erfreut sich Fluorid heute im Zuge der Kariesprophylaxe, zum Beispiel als Inhaltsstoff in Zahnpasten, großer Beliebtheit. Um die positive Wirkung von Fluorid für Zahnschmelz und Zähne weiß man aber nicht erst seit gestern, sondern bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1874 kamen schließlich Fluoridpastillen auf den Markt, deren Einnahme zur Vorbeugung sogenannter „Löcher in den Zähnen“ empfohlen worden ist.

 

Zahncreme in Tuben

 

Die Zahncreme ist neben der Zahnbürste und der Zahnseide bzw. dem Zahnzwischenraumbürstchen das mitunter wichtigste Utensil für die regelmäßige Mundhygiene zu Hause. Auch wenn die Aufbewahrung der Paste in einer Tube längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, war das nicht immer so. In Deutschland war es der in Dresden beheimatete Apotheker Dr. phil. Ottomar Heinsius von Meyenburg, der im Jahr 1907 seine Zahnpasta namens „Chlorodent“ erstmals in die bis heute gängige Tube abfüllte und auf diese Weise haltbar machte. Und davor? Noch im 19. Jahrhundert war es üblich, die Pasten und Pulver zur Zahnreinigung beispielsweise in Döschen oder Papiertüten abzufüllen.

 

Schmerzminderung

 

Der Weg zur modernen Lokalanästhesie, mit der das Schmerzempfinden vollends ausgeschaltet werden kann und die beispielsweise bei der Behandlung von Karies oder Wurzelkanalentzündungen zum Einsatz kommt, war lang: Über viele Jahrhunderte hinweg waren die Mittel der Wahl entweder narkotisierende Pflanzenextrakte oder schlicht und ergreifend Alkohol, deren Wirkung jedoch mehr als fraglich waren. Im 19. Jahrhundert kam schließlich Lachgas, Äther und Chloroform ins Spiel. Während Lachgas noch heute in Zahnarztpraxen zum Einsatz kommt – und zwar in der Hauptsache zur leichten Sedierung von Angstpatienten – hielten sich Äther und Chloroform aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen und nachweislich gesundheitsschädlicher Wirkung nicht sonderlich lange.

 

Kokain war schließlich der erste Wirkstoff, mit dem Zahnärzte die zu behandelnde Stelle im Mundraum lokal betäubten. Und zwar nachdem der US-amerikanische Chirurg William Stewart Halsted im Jahr 1885 herausgefunden hatte, dass sich mit einer nahe des Unterkiefernervs injizierten Kokainlösung die gesamte Leitungsbahn betäuben lässt. Die sogenannte Leitungsanästhesie wird bis heute in Zahnarztpraxen verwendet. Kokain, dessen toxische Nebenwirkungen und suchtbildenden Eigenschaften sich schnell bemerkbar machten, kommt hierbei selbstverständlich nicht mehr zum Einsatz. Die lokale Betäubung wurde seit dieser Zeit beständig weiterentwickelt, sodass in Zahnarztpraxen wie der Würzburger Eckhauspraxis heute modernste Wirkstoffe für die völlige Schmerzausschaltung während der Behandlung Sorge tragen.

 

Quellen: https://www.prodente.de/presse/schwerpunkt/einzelansicht/schwerpunkt/meilensteine-der-zahnmedizin-und-zahntechnik.html und die darin enthaltenen Dokumente „Meilensteine_Zur Geschichte der Zahnheilkunde“, „Meilensteine_Von der Ausschaltung des Schmerzes“ und „Meilensteine_Wussten Sie schon?“

 

Gingivitis